Eine Reiseauskunft, die eine Verbindung mit acht Minuten Umsteigezeit vorschlägt, behauptet nicht, dass acht Minuten angenehm sind. Sie behauptet, dass sie theoretisch reichen. Der Unterschied ist der Grund, warum so viele Anschlüsse knapp werden.
Was die Mindestumsteigezeit wirklich beschreibt
Für jeden Bahnhof ist ein Wert hinterlegt, den die Auskunftssysteme bei der Suche berücksichtigen. Er bildet ab, wie lange der Weg zwischen zwei Bahnsteigen unter normalen Bedingungen dauert.
Was er nicht abbildet:
- dass Sie einen Koffer die Treppe hinuntertragen;
- dass Ihr Zug am hinteren Ende eines 400 Meter langen Bahnsteigs hält;
- dass der Aufzug gerade in der anderen Etage ist;
- dass zweihundert weitere Menschen dieselbe Unterführung benutzen;
- dass Ihr Zug fünf Minuten Verspätung hat.
Die hinterlegte Zeit ist also eine untere Schranke. Für die Planung brauchen Sie eine obere.
Die Faktoren, die den Weg verlängern
| Faktor | Wirkung |
|---|---|
| Bahnsteigwechsel über Unterführung oder Brücke | Deutlich mehr Zeit als ein Wechsel am selben Bahnsteig |
| Aufzug statt Treppe | Warten auf die Kabine, oft zusätzlich Wartezeit durch Andrang |
| Kopfbahnhof | Weg über die Bahnsteighalle statt quer — häufig mehrere hundert Meter |
| Lange Züge | Bis zu 400 Meter zwischen Halteposition und Ausgang |
| Gepäck, Kinderwagen, Gehhilfe | Kein Laufen möglich, jeder Höhenunterschied zählt doppelt |
| Berufsverkehr | Gedränge auf Treppen und in Unterführungen |
| Unbekannter Bahnhof | Orientierungszeit, die Ortskundige nicht brauchen |
Eine Rechnung, die trägt
Statt eine Minutenzahl auswendig zu lernen, rechnen Sie in drei Schritten:
- Grundwert: die hinterlegte Mindestumsteigezeit. Sie steht in der Auskunft und ist der Ausgangspunkt.
- Aufschlag für Ihre Umstände. Mit viel Gepäck, mit Kindern, mit Gehhilfe oder an einem Bahnhof, den Sie nicht kennen: großzügig verdoppeln.
- Aufschlag für das Risiko. Und der bemisst sich nicht am Weg, sondern am Fahrplan — siehe unten.
Anschlüsse, bei denen Sie nicht sparen sollten
Es gibt Umstiege, bei denen ein knapper Anschluss keine Zeitersparnis ist, sondern ein Risiko mit unverhältnismäßigen Folgen:
- Vor einem Flug. Ein verpasster Zug kostet hier den Flug.
- Der letzte Zug des Tages. Ohne Anschluss gibt es keinen späteren.
- Bei getrennt gebuchten Tickets. Ohne durchgehende Fahrkarte tragen Sie das Anschlussrisiko häufig selbst.
- An kleinen Umsteigebahnhöfen. Wenige Verbindungen, wenig Personal, kaum Ausweichmöglichkeiten.
- Mit Reservierungspflicht auf der Anschlussstrecke.
Wenn der Anschluss weg ist
Zwei Dinge sofort:
- Nach der nächsten Verbindung sehen — in der App, nicht am Schalter. Die Information ist schneller.
- Verspätung dokumentieren. Bei durchgehender Fahrkarte sind Verspätungen die Grundlage möglicher Ansprüche aus den Fahrgastrechten; lassen Sie sich die Verspätung bestätigen oder halten Sie sie in der App fest.
Bei durchgehender Fahrkarte dürfen Sie in der Regel den nächsten geeigneten Zug nehmen. Bei getrennt gebuchten Tickets verschiedener Anbieter besteht dieser Anspruch nicht automatisch — was ein guter Grund ist, bei knappen Anschlüssen durchgehend zu buchen.
Umsteigen ohne Bahnhof
Wenn ein Anschluss unrettbar weg ist und der nächste Zug erst in Stunden fährt, lohnt der Blick auf die Alternativen ab dem Ort, an dem Sie gerade stehen: ein Regionalbus, eine andere Route mit Umweg — oder, für die letzte Etappe, ein Taxi. Was das kostet und wie sich der Preis zusammensetzt, steht in Was kostet eine Taxifahrt?; wie Sie am schnellsten eines bekommen, in Taxi bestellen.
