Die Werkstattwahl hat ein strukturelles Problem: Wer die Qualität einer Reparatur beurteilen könnte, bräuchte sie meist nicht. Umso wichtiger sind die Merkmale, die sich auch ohne Fachkenntnis prüfen lassen — und die liegen fast alle im Umgang mit Information.
Vor dem Auftrag: der Kostenvoranschlag
Bei allem, was über einen Ölwechsel hinausgeht, gehört ein schriftlicher Kostenvoranschlag dazu. Er sollte drei Blöcke getrennt ausweisen:
- Teile — mit Bezeichnung, und mit der Angabe, ob es Originalteile, Identteile oder Nachbauten sind
- Arbeitswerte — die veranschlagte Zeit für jeden Arbeitsschritt
- Stundensatz — der Preis pro Arbeitseinheit
Ein Voranschlag, der nur eine Endsumme nennt, ist keiner. Er macht es unmöglich zu erkennen, ob ein hoher Preis von teuren Teilen, von vielen Stunden oder von einem hohen Satz kommt — und damit unmöglich, Angebote zu vergleichen.
Drei Sätze für den Auftrag
Diese drei Punkte gehören schriftlich in den Auftrag und verhindern die meisten späteren Konflikte:
- „Zusatzarbeiten nur nach Rücksprache und Freigabe.“ Ohne diesen Satz stehen Sie vor vollendeten Tatsachen.
- „Altteile bitte aufbewahren.“ Sie haben Anspruch auf Herausgabe der ausgebauten Teile. Das ist die einzige einfache Möglichkeit nachzuvollziehen, ob ein Teil tatsächlich verschlissen war.
- „Bitte um Rückruf, wenn die Kosten den Voranschlag um mehr als X Prozent übersteigen.“ Eine klare Zahl ist besser als ein Gefühl.
Freie Werkstatt oder Vertragswerkstatt?
Freie Werkstatt
Spricht für die freie Werkstatt
- Meist niedrigere Stundensätze
- Größere Auswahl bei Ersatzteilen, auch Identteile und Nachbauten
- Bei Verschleißreparaturen und älteren Fahrzeugen oft deutlich günstiger
- Häufig direkterer Kontakt zu der Person, die tatsächlich schraubt
Spricht für den Fachbetrieb der Marke
- Markenspezifische Diagnosetechnik und Softwarezugriff
- Rückrufaktionen und Kulanzfälle laufen über den Vertriebsweg der Marke
- Bei jungen Fahrzeugen mit Herstellergarantie oft die einfachere Wahl
- Zugriff auf Reparaturvorgaben und technische Mitteilungen des Herstellers
Für die meisten Fahrzeuge nach Ablauf der Herstellergarantie ist eine gute freie Werkstatt die wirtschaftlichere Wahl. Bei Garantie, Rückruf oder komplexer Fahrzeugelektronik hat der markengebundene Betrieb die besseren Karten.
Woran man einen ordentlichen Betrieb erkennt
Vor dem ersten Auftrag prüfbar:
- Sie bekommen eine Erklärung, die Sie verstehen. Wer erklären kann, hat verstanden. Wer ausweicht, oft nicht.
- Der Betrieb zeigt den Befund. Ein verschlissenes Teil kann man sich zeigen lassen — auf der Hebebühne, am Bildschirm, in der Hand.
- Termine werden realistisch genannt, nicht optimistisch.
- Der Stundensatz wird auf Nachfrage genannt. Wer das nicht tut, hat einen Grund.
- Es gibt eine Reaktion auf Kritik. Bewertungen sind weniger interessant als die Frage, wie ein Betrieb auf negative Rückmeldungen antwortet.
Wenn es Streit gibt
- Rechnung und Auftrag nebeneinanderlegen. Was wurde beauftragt, was abgerechnet, wo ist die Abweichung?
- Schriftlich beanstanden, konkret und mit Frist. Ein Telefonat verschwindet, eine E-Mail nicht.
- Altteile anfordern, sofern noch vorhanden.
- Unstrittigen Teil zahlen, den strittigen ausdrücklich unter Vorbehalt.
- Schlichtungsstelle des Kfz-Handwerks einschalten — die Kfz-Innungen unterhalten dafür Verfahren, die ohne Gericht auskommen.
Vorher, nicht nachher
Der beste Zeitpunkt, eine Werkstatt zu suchen, ist der, an dem man keine braucht. Wer bei einer Panne unter Zeitdruck den nächstbesten Betrieb nimmt, hat keine Wahl. Wer eine Werkstatt kennt, ruft dort an.
Anlässe, bei denen sich das lohnt: die anstehende Hauptuntersuchung — siehe Hauptuntersuchung: Fristen, Ablauf, Mängel —, der saisonale Reifenwechsel oder die Begutachtung vor einem Gebrauchtwagenkauf, wie in Gebrauchtwagen kaufen beschrieben.
