Ein Gebrauchtwagen ist der einzige größere Kauf, bei dem Käufer und Verkäufer regelmäßig einen sehr unterschiedlichen Wissensstand haben. Man gleicht das nicht durch Verhandlungsgeschick aus, sondern durch Reihenfolge.
Zuerst: Händler oder privat?
Diese Frage entscheidet mehr als jede andere, weil sie bestimmt, was passiert, wenn drei Wochen später etwas kaputtgeht.
| Kauf beim Händler | Kauf von privat | |
|---|---|---|
| Gewährleistung | Gesetzlich; bei gebrauchten Sachen auf ein Jahr verkürzbar, wenn vereinbart | Kann wirksam ausgeschlossen werden |
| Arglistig verschwiegene Mängel | Nicht ausschließbar | Nicht ausschließbar |
| Preisniveau | In der Regel höher | In der Regel niedriger |
| Aufbereitung und Vorbereitung | Meist enthalten | Zustand wie er ist |
| Vertragsgestaltung | Standardisiert | Frei — und damit fehleranfällig |
Papiere vor Blech
Die aussagekräftigsten Informationen über ein Fahrzeug stehen auf Papier. Verlangen Sie vor der Besichtigung:
- Zulassungsbescheinigung Teil I und II. Teil II weist die Halterzahl aus. Prüfen Sie, ob die Person, die verkauft, auch eingetragen ist — und wenn nicht, warum.
- Letzter Untersuchungsbericht der HU. Er nennt festgestellte Mängel und den damaligen Kilometerstand.
- Serviceunterlagen und Rechnungen. Lückenlos ist selten; nachvollziehbar sollte es sein.
- Nachweise über größere Reparaturen — Zahnriemen, Kupplung, Steuerkette.
Die Besichtigung
Bei Tageslicht, bei trockenem Wetter, nicht abends auf einem Hof mit Halogenstrahlern.
Außen:
- Spaltmaße rundum — ungleichmäßige Spalten deuten auf Unfallinstandsetzung
- Lackierung: Farbtonunterschiede zwischen Bauteilen, Overspray an Dichtungen
- Rost an Radläufen, Schwellern, Türunterkanten und im Kofferraumboden
- Reifen: Profiltiefe, gleichmäßiger Verschleiß, DOT-Nummer für das Alter
- Glas und Scheinwerfer auf Beschädigung und Beschlag
Innen:
- Verschleiß an Lenkrad, Schaltknauf, Pedalen, Fahrersitz — passt er zur Laufleistung?
- Geruch nach Feuchtigkeit, Wasser unter Teppichen und im Reserveradmulde
- Alle Warnleuchten gehen beim Einschalten an und nach dem Start wieder aus
Motorraum:
- Ölstand, Ölzustand, Kühlflüssigkeit
- Leckagen und frisch gereinigte Stellen, die eine Leckage verdecken können
Die Probefahrt
Mindestens zwanzig Minuten, mit Stadtverkehr, Landstraße und wenn möglich Autobahn. Achten Sie auf:
- Kaltstart. Bestehen Sie darauf, das Fahrzeug kalt zu starten — viele Auffälligkeiten zeigen sich nur dann.
- Bremsen: Ziehen zur Seite, Vibration, Geräusch.
- Lenkung: Geradeauslauf ohne ständiges Korrigieren.
- Getriebe: Schaltvorgänge ohne Ruckeln, Kupplung ohne Rutschen bei Last.
- Fahrwerk: Poltern über Kanten.
- Elektronik: Klimaanlage, Fensterheber, Assistenzsysteme durchprobieren.
Verhandeln mit Befunden
Verhandeln funktioniert am besten sachlich: Jeder dokumentierte Mangel ist ein Betrag. Reifen, die im nächsten Jahr fällig sind, eine anstehende Hauptuntersuchung, ein Zahnriemen jenseits des Intervalls — das sind konkrete Positionen, keine Meinungen.
Nützlich ist auch die Kenntnis der Marktlage: Vergleichen Sie mehrere Angebote desselben Modells mit ähnlicher Laufleistung und Ausstattung, bevor Sie über den Preis sprechen.
Der Kaufvertrag
Verwenden Sie ein vollständiges Formular — Automobilclubs und Verbände stellen geprüfte Muster bereit. Hinein gehören:
- Vollständige Daten beider Parteien und die Fahrzeug-Identifizierungsnummer
- Kilometerstand mit dem Zusatz, ob er nach Tacho oder nachweislich gilt
- Alle Zusagen des Verkäufers — mündliche Aussagen sind später wertlos
- Angabe zu Unfallschäden, ausdrücklich
- Zahl der Vorbesitzer
- Zubehör: zweiter Schlüssel, Winterreifen, Bordwerkzeug
- Übergabedatum und Regelung zur Ummeldung
Und praktisch: Zahlen Sie nicht bar in großer Höhe ohne Quittung und übergeben Sie das Fahrzeug erst nach Zahlungseingang beziehungsweise übernehmen Sie es erst gegen Quittung.
Nach dem Kauf stehen Zulassung und Versicherung an — welcher Schutz zum Wert des Fahrzeugs passt, steht in Kfz-Versicherung: Haftpflicht, Teilkasko, Vollkasko.
