Reifen sind das einzige Bauteil, über das ein Auto Kontakt zur Straße hat. Alles, was Bremsen, Fahrwerk und Assistenzsysteme leisten, geht durch vier Flächen von etwa Postkartengröße. Entsprechend deutlich fällt der Unterschied zwischen gesetzlichem Minimum und sinnvoller Praxis aus.
Profiltiefe: gesetzlich und sinnvoll
Gesetzlich schreibt § 36 StVZO eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern über die gesamte Breite der Hauptprofilrillen vor. Wer darunter fährt, riskiert ein Bußgeld und im Schadensfall Diskussionen über sein Mitverschulden.
Fachlich liegt die Empfehlung deutlich höher, weil die Wasserverdrängung mit abnehmendem Profil stark nachlässt:
- Sommerreifen: etwa ab drei Millimetern ersetzen
- Winterreifen: etwa ab vier Millimetern ersetzen
Der Unterschied ist keine Vorsichtsmaßnahme auf Vorrat: Zwischen einem Reifen mit vier Millimetern und einem mit 1,6 Millimetern liegen bei Nässe Fahrzeuglängen an Bremsweg.
Winterreifen: die situative Pflicht
Deutschland kennt keine Winterreifenpflicht nach Kalender. § 2 Abs. 3a StVO knüpft an die tatsächliche Wetterlage an: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte dürfen Kraftfahrzeuge nur mit geeigneten Reifen gefahren werden.
Praktisch heißt das: Es kommt nicht auf das Datum an, sondern darauf, was auf der Straße liegt. Und weil sich das kurzfristig ändert, ist die verbreitete Regel „von Oktober bis Ostern“ zwar keine Rechtsnorm, aber eine vernünftige Handhabung.
Ganzjahresreifen
Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol erfüllen die Anforderungen der situativen Winterreifenpflicht. Sie sind ein Kompromiss: bei sommerlicher Hitze und bei strengem Winter jeweils schwächer als der spezialisierte Reifen, dafür ohne saisonalen Wechsel und ohne Einlagerung.
Sinnvoll sind sie vor allem bei geringer Fahrleistung in Regionen mit milden Wintern. Wer viel fährt, im Mittelgebirge wohnt oder regelmäßig in die Alpen fährt, ist mit zwei Sätzen besser bedient.
Der Wechsel selbst
Ob Werkstatt oder Selbermachen — auf diese Punkte kommt es an:
- Position notieren. Reifen beschriften (VL, VR, HL, HR), damit beim nächsten Wechsel diagonal getauscht werden kann und der Verschleiß gleichmäßiger wird.
- Radschrauben mit Drehmomentschlüssel anziehen, mit dem für das Fahrzeug vorgeschriebenen Wert. Nach Gefühl ist hier keine Option.
- Nach kurzer Fahrstrecke nachziehen. Das ist der Schritt, der am häufigsten vergessen wird — und der wichtigste.
- Luftdruck einstellen, nach Herstellerangabe im Tankdeckel oder Türholm. Bei Beladung und langen Autobahnfahrten entsprechend anpassen.
- Reifendruckkontrollsystem neu anlernen, sofern das Fahrzeug es verlangt.
Lagerung
Reifen altern auch im Keller. Wenn Sie selbst einlagern:
- Kühl, trocken und dunkel lagern, fern von Ozonquellen wie Elektromotoren
- Komplette Räder liegend stapeln oder hängend aufbewahren
- Reifen ohne Felge stehend lagern und gelegentlich drehen
- Vorher reinigen und auf Beschädigungen prüfen, damit ein Schaden nicht erst im Frühjahr auffällt
Die Alternative ist die Einlagerung in der Werkstatt — sie kostet, spart aber Platz und übernimmt die Kontrolle. Als laufender Posten gehört sie in die Rechnung, die Was ein Auto wirklich kostet aufmacht.
Wann Reifen unabhängig vom Profil weg müssen
- Alter. Ohne gesetzliche Grenze, fachlich nach etwa sechs bis acht Jahren. Das Herstellungsdatum steht als vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke.
- Risse in Flanke oder Profilgrund
- Beulen in der Flanke — Hinweis auf einen Strukturschaden, sofort ersetzen
- Einseitiger Verschleiß, der auf ein Fahrwerksproblem hinweist. Dann hilft ein neuer Reifen allein nicht; die Ursache gehört in die Werkstatt, siehe Kfz-Werkstatt finden.
Vor einer längeren Fahrt lohnt der Blick auf Profil und Druck ohnehin — die Checkliste dafür steht in Roadtrip planen.
